Video: Worms nach 1945
Ein dokumentarischer Einblick in die Geschichte von Worms nach dem Zweiten Weltkrieg
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Spurensuche und Wiederaufbau in einer alten Stadt
Die Stadt Worms, eine der ältesten Städte Deutschlands, wurde im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen. In diesem digitalen History Guide könnt ihr mit uns die Spuren dieser Zeit erkunden und mehr über den Wiederaufbau erfahren. Von den Trümmern des Krieges bis zum Wirtschaftswunder der 1950er Jahre zeigen wir euch, wie die Menschen damals lebten, was sie hofften und welche Herausforderungen sie bewältigen mussten.
„Was wir uns heute alles nicht vorstellen können, das ist damals passiert."
— Marianne Blasberg, ZeitzeuginEntdeckt mit uns bedeutende Orte in Worms der Nachkriegszeit auf dieser historischen Stadtkarte. Klickt auf die farbigen Markierungen, um mehr über die Geschichte dieser Orte zu erfahren.
Die wichtigsten Ereignisse in Worms von 1945 bis in die 1950er Jahre
Am 20. März 1945 endete für Worms der Krieg mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen. Die Innenstadt lag in Trümmern, über 64% der historischen Altstadt waren zerstört. Der Wormser Dom, eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke Deutschlands, war schwer beschädigt. Tausende Menschen waren obdachlos, die Infrastruktur war zusammengebrochen.
Die sogenannten „Trümmerfrauen" begannen mit der Räumung der zerstörten Stadt. Per Hand wurden Unmengen Schutt beseitigt. Die französische Besatzungsmacht richtete erste Verwaltungsstrukturen ein. Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten kamen nach Worms und mussten integriert werden.
Die Währungsreform am 20. Juni 1948 markierte einen wirtschaftlichen Wendepunkt. Die Deutsche Mark ersetzte die wertlose Reichsmark. Schwarzmarkthandel verlor an Bedeutung, regulärer Handel konnte wieder stattfinden. Die ersten Geschäfte öffneten wieder, auch wenn Lebensmittel noch rationiert waren.
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 wurde Worms Teil des neuen demokratischen Staates im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die ersten freien Kommunalwahlen fanden statt. Der Wiederaufbau nahm an Fahrt auf.
Das Wirtschaftswunder erreichte Worms. Neue Industrieansiedlungen schufen Arbeitsplätze. Der Dom wurde bis 1955 weitgehend restauriert. Moderne Wohnsiedlungen entstanden am Stadtrand. Die Altstadt wurde nach historischen Plänen wiederaufgebaut, teilweise aber auch durch moderne Architektur ersetzt. 1959 feierte Worms sein 1100-jähriges Jubiläum.
Vertiefen Sie sich in spezifische Aspekte der Nachkriegsgeschichte von Worms
Über 60% der Wohngebäude in Worms wurden im Krieg zerstört oder schwer beschädigt. Der systematische Wiederaufbau begann 1946 mit der Trümmerräumung. Erfahren Sie mehr über die architektonischen Entscheidungen, die Rolle der Stadtplanung und die Menschen, die ihre Stadt wieder aufbauten.
Mehr erfahren →Der Alltag war geprägt von Hunger, Wohnungsnot und der Suche nach Angehörigen. Lebensmittelmarken, Schwarzmarkt, provisorische Unterkünfte – das Leben war hart. Zeitzeugenberichte geben Einblick in den Überlebenskampf und die Hoffnung auf bessere Zeiten.
Mehr erfahren →Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und des Krieges ist bis heute Teil der Wormser Stadtkultur. Gedenkstätten, Stolpersteine und Mahnmale erinnern an die jüdische Gemeinde, an Widerstandskämpfer und Kriegsopfer. Entdeckt mit uns die Orte der Erinnerung.
Mehr erfahren →Diese digitale History Line entstand im Rahmen unserer Aufgabe im Fach Gesellschaftslehre an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in 64668 Rimbach. Wir sind Anton, Liam und Hannes aus der Klasse 10b und haben über mehrere Tage hinweg die Nachkriegsgeschichte von Worms erforscht. Dabei haben wir in Archiven recherchiert, historisches Material gesichtet und uns intensiv mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf eine deutsche Stadt auseinandergesetzt.
Fach: Gesellschaftslehre
Schuljahr: 2025/2026
Betreuende Lehrkraft: Herr Köllner
In dieser Aufgabe haben wir gelernt, wie man wissenschaftlich mit historischen Quellen arbeitet. Wir haben kritisch hinterfragt, verschiedene Perspektiven verglichen und gelernt, historische Ereignisse in ihrem Kontext zu verstehen. Besonders wichtig war uns dabei:
Wir bedanken uns bei allen, die uns bei dieser Hausaufgabe unterstützt haben: beim Stadtarchiv Worms für die Bereitstellung von Materialien, bei Planet Schule (WDR) für die pädagogischen Ressourcen, beim Museum der Stadt Worms für die fachliche Beratung, und bei unserer Schule, der Dietrich-Bonhoeffer-Schule Rimbach, für die Möglichkeit, dieses umfangreiche Projekt durchzuführen.
Wir hoffen, dass unser digitaler History Line dazu beiträgt, die Geschichte von Worms nach 1945 lebendig zu halten und zum Nachdenken über Krieg, Wiederaufbau und Erinnerungskultur anregt.
Ein dokumentarischer Einblick in die Geschichte von Worms nach dem Zweiten Weltkrieg
Die systematische Zerstörung von Worms im Zweiten Weltkrieg und der mühsame Weg zurück zu einer lebendigen Stadt – eine Geschichte von Verlust, Hoffnung und unermüdlichem Aufbauwillen.
Als am 20. März 1945 amerikanische Truppen in Worms einmarschierten, bot sich ihnen ein Bild der Verwüstung. Die historische Altstadt, die über tausend Jahre gewachsen war, existierte praktisch nicht mehr. Der schwerste Luftangriff hatte am 21. Februar 1945 stattgefunden, als britische Bomber die Innenstadt mit Brandbomben eindeckten.
Die Statistik war erschreckend: Von den rund 9.000 Gebäuden in Worms waren 6.490 zerstört oder schwer beschädigt. Das entspricht einer Zerstörungsrate von etwa 72%. In der Altstadt lag die Quote sogar bei 85-90%. Der Wormser Dom, eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke Deutschlands, war ausgebrannt. Von den mittelalterlichen Kirchen St. Martin und Liebfrauen standen nur noch die Außenmauern.
In den Monaten nach Kriegsende begann die gewaltige Aufgabe der Trümmerbeseitigung. Da die meisten Männer noch in Kriegsgefangenschaft waren, gefallen oder verwundet, übernahmen Frauen diese Schwerarbeit. Die sogenannten „Trümmerfrauen" bildeten Ketten und reichten Steine von Hand zu Hand, sortierten Ziegel und räumten mit einfachsten Werkzeugen die Straßen frei.
Die Arbeit war körperlich extrem hart und gefährlich. Einsturzgefährdete Mauern, nicht explodierte Bomben und der staubige, giftige Schutt machten jeden Tag zu einem Risiko. Viele Frauen arbeiteten trotz Hunger und Erschöpfung, da sie für diese Arbeit zusätzliche Lebensmittelrationen erhielten.
Wir haben von morgens bis abends Steine geklopft. Die Hände waren aufgerissen, der Rücken schmerzte. Aber wir mussten durchhalten. Wir wollten unsere Stadt wieder haben, einen Ort, wo unsere Kinder aufwachsen können.
Der Wiederaufbau des Wormser Doms war nicht nur eine architektonische, sondern vor allem eine symbolische Aufgabe. Der Dom war über 900 Jahre das Wahrzeichen der Stadt gewesen. Seine Zerstörung hatte die Menschen tief getroffen. 1947 begannen unter der Leitung von Dombaumeister Albert Boßlet die Restaurierungsarbeiten.
Die Arbeiten waren technisch äußerst anspruchsvoll. Zunächst mussten die einsturzgefährdeten Gewölbeteile gesichert werden. Dann begann die mühsame Arbeit der Rekonstruktion. Wo möglich, wurden Originalteile wiederverwendet. Was unwiederbringlich verloren war, wurde nach historischen Plänen neu geschaffen.
1955, zehn Jahre nach Kriegsende, konnte der Dom wieder eingeweiht werden. Die Restaurierung war ein Kraftakt gewesen, der Millionen Deutsche Mark gekostet hatte. Aber für die Wormser war es jeden Pfennig wert – ihr Dom stand wieder.
Bei der Planung des Wiederaufbaus der Innenstadt standen die Verantwortlichen vor einer schwierigen Entscheidung: Sollte man die mittelalterliche Struktur mit ihren engen Gassen rekonstruieren, oder die Chance nutzen und eine moderne Stadt mit breiten Straßen und funktionaler Architektur schaffen?
Die Entscheidung fiel für einen Kompromiss. Wichtige historische Gebäude wie der Dom, die Magnuskirche und das Rathaus wurden rekonstruiert. Aber die Straßenführung wurde modernisiert – Straßen wurden verbreitert, um dem zunehmenden Autoverkehr gerecht zu werden. Viele neue Gebäude wurden im Stil der 1950er Jahre errichtet.
Diese Entscheidung wird bis heute kontrovers diskutiert. Einige bedauern den Verlust der mittelalterlichen Atmosphäre, andere schätzen die moderne, funktionale Stadtstruktur. Fest steht: Das heutige Worms ist eine Mischung aus Alt und Neu, aus Geschichte und Moderne.
Bis 1950 wurden 2.500 neue Wohnungen geschaffen. Viele in Form von einfachen, aber funktionalen Siedlungen am Stadtrand.
Straßen, Wasser- und Stromleitungen mussten komplett neu verlegt werden. Die Kanalisation wurde modernisiert.
Der Wiederaufbau kostete mehrere hundert Millionen DM und wurde durch Bundes- und Landesmittel sowie den Marshall-Plan unterstützt.
Der Wiederaufbau von Worms zeigt, wie eine Gesellschaft nach einer Katastrophe wieder aufstehen kann. Er zeigt aber auch die schwierigen Entscheidungen, die dabei getroffen werden müssen: zwischen Bewahrung und Erneuerung, zwischen Erinnerung und Zukunft. Diese Fragen sind auch heute noch relevant, wenn Städte nach Kriegen oder Naturkatastrophen wieder aufgebaut werden müssen.
Der Alltag in Worms zwischen 1945 und den frühen 1950er Jahren war geprägt von Hunger, Wohnungsnot und der Suche nach einem Neuanfang. Wie lebten die Menschen in dieser schwierigen Zeit?
In den ersten Jahren nach Kriegsende stand das bloße Überleben im Vordergrund. Die Lebensmittelversorgung war katastrophal. Die offiziellen Rationen lagen 1946/47 bei nur 1.000-1.200 Kalorien pro Tag für einen Normalverbraucher – weit unter dem, was ein Mensch für schwere körperliche Arbeit braucht. Zum Vergleich: Ein erwachsener Mann benötigt etwa 2.500 Kalorien täglich.
Die Lebensmittelkarten berechtigt zu minimalen Rationen: 250 Gramm Brot pro Tag, vielleicht ein bisschen Margarine, gelegentlich ein Ei. Fleisch war eine Seltenheit. Viele Menschen litten unter Mangelernährung. Kinder zeigten Symptome von Rachitis wegen Vitamin-D-Mangels. Der „Hungerwinter" 1946/47 forderte zahlreiche Todesopfer, besonders unter den Schwächsten: alten Menschen und Kleinkindern.
Wir hatten ständig Hunger. Morgens gab es dünne Suppe aus Steckrüben, mittags vielleicht ein paar Kartoffeln. Meine Mutter tauschte ihren Schmuck gegen Lebensmittel. Wir Kinder gingen auf die Felder und sammelten Ähren nach der Ernte. Jedes Körnchen zählte.
Da die offiziellen Rationen nicht zum Leben reichten, entwickelte sich ein florierender Schwarzmarkt. In Worms traf man sich vor allem am Marktplatz und in Hinterhöfen. Hier wurde mit allem gehandelt, was Wert hatte: Lebensmittel, Zigaretten, Kleidung, Haushaltsgegenstände.
Amerikanische Zigaretten wurden zur inoffiziellen Währung. Eine Stange Lucky Strike konnte ein Vermögen wert sein. Bauern aus dem Umland tauschten Kartoffeln, Eier und Speck gegen Werkzeuge, Geschirr oder Schmuck. Die Preise waren astronomisch: Ein Pfund Butter kostete auf dem Schwarzmarkt das Hundertfache des offiziellen Preises.
Der Schwarzmarkthandel war illegal, aber die Behörden schauten oft weg – sie wussten, dass viele Menschen anders nicht überleben konnten. Erst mit der Währungsreform 1948 verlor der Schwarzmarkt allmählich an Bedeutung.
Eine Stange amerikanischer Zigaretten (200 Stück) konnte 1947 gegen 40 Pfund Kartoffeln getauscht werden.
Stadtbewohner fuhren aufs Land und tauschten Wertgegenstände gegen Lebensmittel – sogenannte "Hamsterfahrten".
1947 kostete ein Ei auf dem Schwarzmarkt 5-10 Reichsmark – offiziell war der Preis auf 12 Pfennig festgelegt.
Mit über 6.000 zerstörten Gebäuden war die Wohnungsnot in Worms dramatisch. Etwa 35.000 Menschen waren obdachlos. Viele hausten in Kellern zerstörter Häuser, in notdürftig reparierten Ruinen oder in überfüllten Notunterkünften. Ganze Familien lebten in einem einzigen Raum.
Die Wohnverhältnisse waren primitiv. Oft gab es kein fließendes Wasser, keine Heizung, keine sanitären Einrichtungen. Im Winter war es bitterkalt, im Sommer drückend heiß. Privatsphäre war ein Luxus, den sich kaum jemand leisten konnte. Mehrere Familien teilten sich eine Wohnung, getrennt nur durch Decken oder provisorische Wände.
Familien hausten in teilzerstörten Gebäuden, abgedichtet mit Brettern und Pappe
Provisorische Holzbaracken als temporäre Lösung für Obdachlose
Zur Wohnungsnot kam die Herausforderung der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen. Über 6.000 Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten – Schlesien, Ostpreußen, Pommern – kamen nach Worms. Sie hatten alles verloren: ihr Zuhause, ihr Hab und Gut, oft auch Familienmitglieder.
Die Integration war schwierig. Die Einheimischen, selbst in Not, sahen die Neuankömmlinge oft als Konkurrenz um Wohnraum und Lebensmittel. Die Vertriebenen wiederum fühlten sich fremd und unerwünscht. Sie sprachen andere Dialekte, hatten andere Traditionen. Vorurteile und Konflikte waren an der Tagesordnung.
Doch mit der Zeit wuchs man zusammen. Die Vertriebenen brachten neue Fähigkeiten mit, gründeten Betriebe, bereicherten das kulturelle Leben. Heute sind ihre Nachfahren selbstverständlicher Teil der Wormser Gesellschaft.
Als wir 1946 in Worms ankamen, hatten wir nur einen Koffer dabei. Alles andere war in Schlesien geblieben. Die Wormser haben uns nicht gerade mit offenen Armen empfangen – sie hatten selbst nichts. Aber wir haben uns durchgebissen, haben gearbeitet, haben uns ein neues Leben aufgebaut. Heute ist Worms unsere Heimat.
Am 20. Juni 1948 kam es zur Währungsreform. Die wertlose Reichsmark wurde durch die neue Deutsche Mark ersetzt. Jeder Bürger erhielt ein „Kopfgeld" von 40 DM. Bankguthaben wurden im Verhältnis 10:1 umgetauscht – wer 1.000 Reichsmark auf dem Konto hatte, bekam 100 DM. Viele verloren ihre Ersparnisse.
Aber die Reform hatte einen dramatischen Effekt: Über Nacht füllten sich die Schaufenster. Waren, die jahrelang gehortet worden waren, kamen auf den Markt. Der Schwarzmarkt brach zusammen. Zum ersten Mal seit Jahren konnte man wieder regulär einkaufen – wenn man das Geld hatte.
Die Währungsreform war schmerzhaft, aber sie legte den Grundstein für das „Wirtschaftswunder" der 1950er Jahre. Die Wirtschaft begann zu wachsen, Arbeitsplätze entstanden, der Lebensstandard stieg allmählich.
Die Nachkriegszeit in Worms war hart, aber sie zeigte auch die Widerstandsfähigkeit der Menschen. Nachbarschaftshilfe, Improvisationstalent und der unbeugsame Wille, weiterzumachen, halfen den Menschen, diese schwierige Zeit zu überstehen. Die Generation, die damals jung war, lernte Genügsamkeit, Zusammenhalt und die Wertschätzung für die einfachen Dinge des Lebens.
Wie geht Worms mit seiner Geschichte um? Welche Orte erinnern an die Opfer von Krieg und Nationalsozialismus? Die Erinnerungskultur in Worms hat sich über Jahrzehnte entwickelt.
Worms hatte eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden im mittelalterlichen Europa. Die Synagoge aus dem 11. Jahrhundert galt als eine der schönsten in ganz Deutschland. Der jüdische Friedhof „Heiliger Sand" ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas. Jahrhundertelang prägten jüdische Gelehrte, Händler und Bürger das Leben der Stadt.
Die Nationalsozialisten zerstörten dieses kulturelle Erbe. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 brannte die Synagoge. Jüdische Geschäfte wurden geplündert, Menschen misshandelt. In den folgenden Jahren wurden die Wormser Juden systematisch entrechtet, deportiert und ermordet. Von etwa 1.000 jüdischen Bürgern im Jahr 1933 überlebten nur wenige den Holocaust.
In den 1950er Jahren entstand in Worms eine Bewegung für den Wiederaufbau der Synagoge. Es war eine schwierige Diskussion: Sollte man eine Synagoge wiederaufbauen in einer Stadt, in der kaum noch Juden lebten? War es nicht zynisch, ein Gebäude zu rekonstruieren, während die Menschen, die darin gebetet hatten, ermordet worden waren?
Letztendlich entschied man sich für den Wiederaufbau. 1958 begannen die Arbeiten, 1961 wurde die neue Synagoge eingeweiht – allerdings nicht als aktives Gotteshaus, sondern als Museum und Gedenkstätte. Die Synagoge sollte an die zerstörte jüdische Gemeinde erinnern und Zeichen setzen gegen Vergessen und Antisemitismus.
Heute beherbergt die Synagoge ein Museum zur jüdischen Geschichte von Worms. Besucher können mehr über die bedeutende jüdische Tradition der Stadt erfahren, über berühmte Gelehrte wie Raschi, über das Alltagsleben der Gemeinde und über die Verfolgung im Nationalsozialismus.
Die wiederaufgebaute Synagoge dient als Museum und Gedenkstätte – [Quelle]
Der Wiederaufbau der Synagoge war für uns Überlebende ein wichtiges Signal. Es zeigte, dass die Stadt bereit war, sich ihrer Geschichte zu stellen. Auch wenn wir nicht mehr viele sind – die Erinnerung an unsere Gemeinde lebt weiter.
Stolperstein zur Erinnerung an Dr. Alfred Worms – einer von über 200 in der Stadt – [Quelle]
Seit 2006 werden in Worms Stolpersteine verlegt. Diese kleinen Messingtafeln im Gehweg erinnern an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Jeder Stein wird vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers verlegt und trägt Namen, Geburtsdatum und Schicksal.
Die Stolpersteine machen die Verfolgung konkret und greifbar. Es geht nicht mehr um abstrakte Zahlen, sondern um individuelle Schicksale: Familie Levy aus der Kämmererstraße, deportiert nach Gurs. Max Rosenthal, Kaufmann, ermordet in Auschwitz. Rosa Goldstein, 76 Jahre alt, gestorben in Theresienstadt.
Inzwischen wurden über 200 Stolpersteine in Worms verlegt. Schulklassen beteiligen sich an Verlegungen, recherchieren die Lebensgeschichten der Opfer, halten die Steine sauber. Die Stolpersteine sind zu einem wichtigen Teil der Wormser Erinnerungskultur geworden.
Gedenktafel "Wider das Vergessen" – Erinnerung an die deportierten Sinti, Männer, Frauen und Kinder – [Quelle]
Auch an die gefallenen Soldaten und zivilen Opfer des Krieges wird in Worms erinnert. Der Hauptfriedhof beherbergt Kriegsgräber von deutschen Soldaten und ausländischen Zwangsarbeitern, die während des Krieges in Worms starben. Ein Ehrenmal erinnert an die Toten beider Weltkriege.
Die Erinnerung an die Kriegstoten ist kompliziert. Wie gedenkt man deutscher Soldaten, die für ein verbrecherisches Regime gekämpft haben? Wie unterscheidet man zwischen Tätern und Opfern? Diese Fragen beschäftigen die Erinnerungskultur bis heute. In Worms versucht man, differenziert zu erinnern: an das Leid des Krieges, ohne die Verbrechen zu relativieren.
Die Erinnerung an Nationalsozialismus und Krieg ist in Worms keine Sache der Vergangenheit, sondern eine lebendige Aufgabe. Jedes Jahr finden Gedenkveranstaltungen statt: am 27. Januar (Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus), am 9. November (Jahrestag der Reichspogromnacht), am Volkstrauertag.
Schulen besuchen Gedenkstätten, Zeitzeugen (solange es noch möglich war) sprachen vor Klassen, Projekte erforschen lokale Geschichte. Das Stadtarchiv und lokale Initiativen sammeln Dokumente, Fotos und Erinnerungen, um sie für kommende Generationen zu bewahren.
Besonders wichtig ist dabei der Blick in die Zukunft: Was können wir aus der Geschichte lernen? Wie schützen wir Demokratie und Menschenrechte? Wie begegnen wir Antisemitismus, Rassismus und Extremismus heute? Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist immer auch eine Verantwortung für die Gegenwart.
Permanente Ausstellung zur NS-Zeit und jüdischen Geschichte in Worms
Regelmäßige Stadtführungen zu Orten der NS-Geschichte und jüdischem Erbe
Jährliche Projekte mit Schulen zur lokalen Geschichte und Erinnerungskultur
Regelmäßige Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen an wichtigen Jahrestagen
Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Schrecken des Krieges ist nicht nur ein Blick zurück. Sie ist eine Mahnung für die Gegenwart und Zukunft. Die Wormser Erinnerungskultur zeigt: Geschichte ist nicht abstrakt, sie ist konkret, sie ist lokal, sie betrifft uns alle. Die Auseinandersetzung damit ist eine Aufgabe, die nie abgeschlossen sein wird.
„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen."
— Aus der Gedenkrede zum 9. November in Worms
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